Die Online-Terminbuchung ist längst kein Luxus mehr, sondern ein entscheidender Faktor für den Praxiserfolg. Während viele Kollegen noch zögern, haben die Vorreiter längst erkannt: Ein durchdachtes digitales Terminmanagement lockt nicht nur neue Patienten an, sondern entlastet das gesamte Praxisteam. Ich zeige Ihnen, warum die reine Buchungsfunktion nicht reicht und wie Sie mit intelligenten Zusatzfeatures echte Wettbewerbsvorteile schaffen.

Warum die reine Terminbuchung nicht reicht

Wenn ich mit Praxisinhabern über Online-Terminbuchung spreche, höre ich oft denselben Satz: „Das haben wir schon, aber so richtig genutzt wird es nicht.“ Das Problem liegt meist nicht am Tool, sondern am Mindset. Eine Online-Terminbuchung, die nur den Telefontermin digitalisiert, ist wie ein E-Auto mit Pferdegeschirr - technisch möglich, aber sinnbefreit.

Die KBV hat in ihrem Praxisbarometer 2023 festgestellt, dass nur etwa 18 Prozent aller Praxen eine vollständige Online-Terminbuchung anbieten. Die anderen 82 Prozent verlassen sich noch auf Telefon oder Fax. Dabei zeigt eine Umfrage der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2022: 71 Prozent der Patienten wünschen sich die Möglichkeit, Termine online zu buchen. Besonders bei der jüngeren Generation unter 40 Jahren sind es sogar über 85 Prozent.

Der entscheidende Punkt: Wer nur einen Buchungsknopf auf die Website setzt, ohne das Gesamterlebnis zu durchdenken, wird scheitern. Die Patienten erwarten heute mehr. Sie wollen wissen, welcher Arzt welche Spezialisierung hat, wie lange die Wartezeiten sind und ob sie vorab Fragebögen ausfüllen können. Eine reine Terminschiene ohne diese Zusatzinformationen wirkt lieblos und schreckt eher ab, als dass sie anzieht.

Ich rate meinen Kunden daher immer: Betrachten Sie die Online-Terminbuchung als Teil Ihrer gesamten Patient Journey. Vom ersten Klick auf die Praxiswebsite bis zur Nachsorge nach dem Besuch. Jeder Schritt muss durchdacht sein. Ein Beispiel: Die Praxis Dr. Meier in Hamburg hat ihre Online-Buchung mit einem kurzen Anamnesefragebogen verknüpft. Das Ergebnis: Die durchschnittliche Behandlungszeit sank um 12 Prozent, weil die Ärzte vorbereitet in den Termin gehen konnten. Gleichzeitig stieg die Zufriedenheit der Patienten, weil sie das Gefühl hatten, ernst genommen zu werden.

Die reine Buchungsfunktion ist also nur die Basis. Der Mehrwert entsteht durch die Integration in den gesamten Praxisablauf. Wer das versteht, hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber den 82 Prozent der Praxen, die noch auf analoge Methoden setzen.

Die Psychologie der Terminbuchung: Warum Patienten online buchen

Bevor wir über Technik sprechen, müssen wir verstehen, was im Kopf eines Patienten vorgeht, wenn er einen Termin sucht. Stellen Sie sich vor: Sie haben seit Tagen Rückenschmerzen, der Termin beim Orthopäden ist dringend. Sie greifen zum Telefon - und hören die Ansage: „Wir sind von 12 bis 14 Uhr in der Mittagspause. Bitte rufen Sie später noch einmal an.“ Genau in diesem Moment entscheiden sich viele Patienten für die Praxis nebenan, die eine Online-Buchung anbietet.

Die Psychologie dahinter ist einfach: Menschen suchen nach Bequemlichkeit und Kontrolle. Eine Online-Terminbuchung gibt dem Patienten das Gefühl, die Situation selbst in der Hand zu haben. Er muss nicht auf einen Rückruf warten, er muss nicht während der Sprechzeiten anrufen, er kann buchen, wann es ihm passt - um 6 Uhr morgens oder um 23 Uhr abends.

Das RKI hat in einer Studie zur Gesundheitskompetenz der Deutschen festgestellt, dass über 60 Prozent der Bevölkerung eine hohe Affinität zu digitalen Gesundheitsanwendungen haben. Diese Zahl steigt stetig. Besonders bei chronisch Kranken, die regelmäßig Termine benötigen, ist der Wunsch nach digitalen Lösungen enorm.

Ein weiterer psychologischer Aspekt ist die Reduzierung von Reibungsverlusten. Jeder unnötige Schritt in der Patient Journey kostet Sie potenzielle Neupatienten. Wenn ein Patient dreimal anrufen muss, bis er durchkommt, sucht er sich eine andere Praxis. Das belegen auch die Zahlen der Patientenumfrage des Ärzteblatts von 2023: 43 Prozent der Befragten gaben an, schon einmal eine Praxis gewechselt zu haben, weil die Terminvereinbarung zu umständlich war.

Ich empfehle daher: Bieten Sie nicht nur einen Buchungsknopf, sondern eine echte Self-Service-Erfahrung. Der Patient soll selbst entscheiden können, welcher Arzt, welche Uhrzeit und welche Behandlungsart. Geben Sie ihm die Kontrolle - und er wird Ihnen danken, indem er wiederkommt.

Technische Fallstricke: Worauf Sie bei der Auswahl achten müssen

Jetzt wird es praktisch. Die Auswahl an Online-Terminbuchungssystemen ist riesig: von einfachen Kalender-Widgets bis hin zu komplexen Praxisverwaltungssystemen mit integrierter Buchung. Aber Vorsicht: Nicht jedes System ist für jede Praxis geeignet. Ich habe schon zu viele Praxen gesehen, die ein günstiges Tool installiert haben und dann feststellen mussten, dass es nicht mit ihrer Software kompatibel ist.

Der erste und wichtigste Punkt: Die Online-Buchung muss mit Ihrem Praxisverwaltungssystem (PVS) kommunizieren können. Klingt trivial, ist aber oft das größte Hindernis. Viele PVS-Hersteller bieten eigene Buchungsmodule an, die meist gut integriert sind, aber oft teurer und weniger flexibel als Drittanbieterlösungen.

Ich rate zu folgendem Vorgehen: Prüfen Sie zuerst, ob Ihr PVS eine Schnittstelle für Online-Buchungen anbietet. Fragen Sie Ihren PVS-Anbieter nach kompatiblen Partnern. Die KBV hat auf ihrer Website eine Liste zertifizierter Anbieter, die bestimmte Sicherheitsstandards erfüllen. Das ist ein guter Ausgangspunkt.

Ein weiterer technischer Fallstrick ist die Synchronisation. Wenn ein Patient online einen Termin bucht, muss dieser sofort im Praxis-Kalender erscheinen. Gleichzeitig müssen bereits vergebene Termine online als belegt markiert sein. Klingt logisch, aber in der Praxis kommt es häufig zu Synchronisationsproblemen, besonders wenn mehrere Kalender (z.B. für verschiedene Ärzte oder Standorte) verwaltet werden müssen.

Ein Beispiel aus meiner Beratungspraxis: Eine Zahnarztpraxis mit vier Behandlungszimmern hatte ein Buchungssystem, das nur einen Kalender unterstützte. Das führte dazu, dass zwei Patienten gleichzeitig für denselben Zahnarzt gebucht wurden. Die Lösung war ein System mit Mehrkalender-Unterstützung, das jeden Behandlungsraum und jeden Zahnarzt einzeln abbilden konnte.

Achten Sie auch auf die Möglichkeit, verschiedene Termintypen zu definieren. Eine akute Schmerzbehandlung benötigt eine andere Zeitspanne als eine Routineuntersuchung. Ein gutes System erlaubt es Ihnen, für jeden Termintyp eine eigene Dauer festzulegen und diese automatisch im Kalender zu blocken.

Nicht zuletzt: Datenschutz. Die Patienten geben bei der Buchung persönliche Daten preis. Das System muss DSGVO-konform sein, die Daten müssen verschlüsselt übertragen werden und auf Servern in Deutschland oder der EU liegen. Fragen Sie den Anbieter nach einem Zertifikat oder einer Datenschutzerklärung, die das bestätigt.

Neupatienten gezielt ansprechen: Die optimale Buchungsstrecke

Jetzt wird es spannend: Wie gestalten Sie die Buchungsstrecke so, dass Neupatienten nicht nur buchen, sondern auch wiederkommen? Der Schlüssel liegt in der Personalisierung und der Reduzierung von Hürden.

Stellen Sie sich vor, ein Neupatient landet auf Ihrer Website. Er sieht den „Termin buchen“-Button und klickt. Jetzt kommt der entscheidende Moment. Wenn er zuerst ein langes Formular mit persönlichen Daten ausfüllen muss, bevor er überhaupt sieht, welche Termine frei sind, wird er wahrscheinlich abbrechen. Studien zeigen, dass die Abbruchrate bei Buchungsformularen mit mehr als fünf Pflichtfeldern bei über 60 Prozent liegt.

Mein Tipp: Lassen Sie den Patienten zuerst den Wunschtermin auswählen. Zeigen Sie ihm sofort, welche Slots frei sind. Erst nach der Terminauswahl fragen Sie nach Name, Telefonnummer und E-Mail-Adresse. Diese Reihenfolge halbiert die Abbruchrate.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Bieten Sie Neupatienten eine spezielle Willkommensfunktion. Einige Systeme erlauben es, bestimmte Terminslots für Neupatienten zu reservieren. So vermeiden Sie, dass Bestandspatienten alle freien Termine blocken und Neupatienten das Gefühl haben, nicht willkommen zu sein.

Die Praxis Dr. Schmidt in München hat genau das gemacht: Sie hat jeden Tag zwei 15-Minuten-Slots für Neupatienten reserviert. In den ersten drei Monaten kamen so 47 neue Patienten in die Praxis. Der Clou: Diese Neupatienten wurden nach dem ersten Besuch automatisch in eine Erinnerungsliste aufgenommen und erhielten nach drei Monaten eine Einladung zur nächsten Routineuntersuchung. Die Wiederkommensrate lag bei beeindruckenden 82 Prozent.

Auch die Kommunikation nach der Buchung ist entscheidend. Senden Sie dem Neupatienten sofort eine Bestätigungsmail mit allen wichtigen Informationen: Adresse, Anfahrtsbeschreibung, Parkmöglichkeiten, benötigte Unterlagen. Das schafft Vertrauen und reduziert No-Shows.

Ein weiterer Trick: Bieten Sie vor dem ersten Termin die Möglichkeit, einen kurzen Anamnesefragebogen online auszufüllen. Das spart Zeit in der Praxis und gibt dem Arzt die Möglichkeit, sich vorzubereiten. Die Patienten schätzen diese Wertschätzung - sie fühlen sich ernst genommen und nicht nur als Nummer im System.

Bewertungen und Reputation: Wie Online-Termine Ihr Praxismarketing boosten

Online-Terminbuchung und Praxisbewertungen - das klingt nach zwei getrennten Themen, ist aber eng miteinander verbunden. Denn: Ein Patient, der einen Termin online bucht, hat in der Regel vorher Ihre Praxiswebsite besucht. Und auf dieser Website sind Bewertungen ein entscheidendes Kriterium.

Laut einer Studie von BrightLocal aus dem Jahr 2023 lesen 87 Prozent der Patienten Online-Bewertungen, bevor sie eine Praxis auswählen. Und 73 Prozent vertrauen Bewertungen genauso sehr wie persönlichen Empfehlungen. Das bedeutet: Wenn Ihre Online-Terminbuchung gut funktioniert, aber Ihre Bewertungen schlecht sind, werden Neupatienten trotzdem fernbleiben.

Die gute Nachricht: Eine positive Online-Buchungserfahrung kann Ihre Bewertungen verbessern. Denn ein Patient, der schnell und unkompliziert einen Termin bekommen hat, wird mit höherer Wahrscheinlichkeit eine positive Bewertung hinterlassen. Umgekehrt führt eine umständliche Buchung zu Frust und schlechten Bewertungen.

Ich empfehle daher: Verknüpfen Sie Ihre Online-Buchung mit einem Bewertungssystem. Bitten Sie den Patienten nach dem Termin per E-Mail um eine Bewertung. Aber Vorsicht: Das muss sensibel gemacht werden. Niemand möchte unmittelbar nach einer schmerzhaften Behandlung mit einer Bewertungsanfrage genervt werden. Ein Zeitfenster von 24 bis 48 Stunden nach dem Termin ist ideal.

Ein konkretes Beispiel: Die Hautarztpraxis Dr. Weber in Berlin hat ein System implementiert, das 48 Stunden nach jedem Termin automatisch eine E-Mail mit der Bitte um Bewertung versendet. Gleichzeitig wird der Patient gefragt, ob er einen weiteren Termin buchen möchte. Das Ergebnis: Die Anzahl der Bewertungen auf Jameda stieg innerhalb von sechs Monaten um 300 Prozent, und die Praxis verbesserte ihre Durchschnittsbewertung von 3,8 auf 4,6 Sterne.

Auch die Reaktion auf negative Bewertungen ist wichtig. Wenn ein Patient eine schlechte Bewertung hinterlässt, weil die Online-Buchung nicht funktioniert hat, sollten Sie schnell und professionell reagieren. Bieten Sie eine Lösung an und zeigen Sie, dass Sie das Problem ernst nehmen. Das sehen auch andere potenzielle Patienten und schätzen Ihre Transparenz.

Integration in den Praxisalltag: So wird Ihr Team zum Digitalisierungs-Booster

Der größte Fehler, den Praxisinhaber machen: Sie führen eine Online-Terminbuchung ein, ohne das Team darauf vorzubereiten. Die Mitarbeiter fühlen sich übergangen, haben Angst um ihre Arbeitsplätze oder sind schlichtweg überfordert mit der neuen Technik. Das Ergebnis: Die Online-Buchung wird nicht genutzt, die Patienten rufen weiterhin an, und das teure Tool verstaubt.

Dabei ist das Gegenteil der Fall: Eine gut eingeführte Online-Terminbuchung entlastet das Team enorm. Die Telefonleitungen werden entlastet, die Mitarbeiter haben mehr Zeit für die persönliche Betreuung der Patienten vor Ort, und die No-Show-Rate sinkt, weil die Patienten ihre Termine selbst verwalten können.

Wie gelingt die Integration? Ich empfehle ein dreistufiges Vorgehen:

  1. Transparenz schaffen: Informieren Sie Ihr Team frühzeitig über die geplante Einführung. Erklären Sie die Vorteile für jeden Einzelnen: Weniger Telefonate, weniger Stress, mehr Zeit für die eigentliche Arbeit. Nehmen Sie Ängste ernst und bieten Sie Schulungen an.

  2. Schrittweise Einführung: Starten Sie mit einem Pilotprojekt. Lassen Sie die Online-Buchung zunächst nur für bestimmte Termintypen oder zu bestimmten Zeiten aktivieren. So kann sich das Team langsam an die neue Arbeitsweise gewöhnen.

  3. Feedback-Kultur etablieren: Fragen Sie regelmäßig nach, wie die Online-Buchung ankommt. Gibt es technische Probleme? Sind die Patienten zufrieden? Nutzen Sie das Feedback, um das System zu verbessern.

Ein Praxisbeispiel aus meiner Beratung: Eine Allgemeinmedizinerin in Köln hatte große Widerstände im Team. Die Arzthelferinnen fürchteten, dass die Online-Buchung ihre Arbeit überflüssig machen würde. Ich habe ihnen dann gezeigt, dass sie durch die entfallenden Telefonate mehr Zeit für die Betreuung der chronisch kranken Patienten haben - eine Aufgabe, die ihnen viel mehr Freude bereitet. Nach drei Monaten war das Team begeistert und fragte, warum sie nicht schon früher damit angefangen hatten.

Die Zahlen sprechen für sich: Praxen mit erfolgreich integrierter Online-Buchung berichten von einer Reduzierung der Telefonate um 30 bis 40 Prozent. Die Mitarbeiterzufriedenheit steigt, und die Fluktuation sinkt. Ein Gewinn für alle Beteiligten.

Mobile Optimierung: Der entscheidende Faktor für junge Patienten

Wenn Sie glauben, dass Ihre Praxiswebsite auf dem Smartphone gut aussieht, weil sie vor drei Jahren erstellt wurde, dann werden Sie böse überrascht sein. Die mobile Nutzung hat in den letzten Jahren explosionsartig zugenommen. Laut einer Studie von Statista aus dem Jahr 2023 buchen mittlerweile über 60 Prozent aller Patienten Termine über das Smartphone. Bei den unter 40-Jährigen sind es sogar über 80 Prozent.

Das bedeutet: Ihre Online-Terminbuchung muss auf dem Smartphone mindestens genauso gut funktionieren wie auf dem Desktop. Das fängt beim Design an: Der Buchungsbutton muss groß genug sein, um mit dem Daumen getippt zu werden. Die Schrift muss lesbar sein, ohne zoomen zu müssen. Die Ladezeiten müssen kurz sein - mehr als drei Sekunden Ladezeit führen zu einer Abbruchrate von über 50 Prozent.

Ein häufiger Fehler: Viele Buchungssysteme sind als Desktop-Anwendung konzipiert und werden für Mobilgeräte nur verkleinert dargestellt. Das führt zu winzigen Buttons, überlappenden Elementen und einer frustrierenden Benutzererfahrung. Testen Sie Ihr System unbedingt auf verschiedenen Smartphones und Betriebssystemen.

Ein weiterer Punkt: Die Eingabe von Daten auf dem Smartphone ist umständlich. Vermeiden Sie daher lange Formulare. Nutzen Sie Dropdown-Menüs, Kalenderauswahl und Autovervollständigung. Bieten Sie die Möglichkeit, Daten per Kamera zu scannen (z.B. Versichertenkarte). Das reduziert die Eingabefehler und beschleunigt den Prozess.

Die Praxis Dr. Müller in Stuttgart hat ihre Buchungsstrecke komplett für Mobilgeräte optimiert. Das Ergebnis: Die Buchungsrate über Smartphone stieg um 150 Prozent, und die durchschnittliche Zeit für eine Buchung sank von 4,5 Minuten auf 1,2 Minuten. Die Praxis verzeichnete einen deutlichen Anstieg an Neupatienten, insbesondere in der Altersgruppe der 25- bis 40-Jährigen.

Vergessen Sie auch nicht die Integration von mobilen Zahlungsmöglichkeiten, wenn Sie Privatleistungen anbieten. Viele Patienten sind bereit, für einen schnellen Termin zu bezahlen, wenn der Prozess reibungslos funktioniert. Aber das ist ein Thema für einen eigenen Artikel.

Datenschutz und Sicherheit: Kein Grund zur Sorge, aber einer zur Aktion

Datenschutz ist in Arztpraxen ein sensibles Thema - und das zu Recht. Die Gesundheitsdaten der Patienten gehören zu den schützenswertesten Informationen überhaupt. Eine Online-Terminbuchung muss daher höchsten Sicherheitsstandards genügen. Aber keine Sorge: Das ist machbar, und die meisten Anbieter haben das im Griff.

Die gute Nachricht zuerst: Die KBV hat gemeinsam mit der gematik einen Leitfaden für die sichere Online-Terminbuchung herausgegeben. Darin werden die wichtigsten Anforderungen beschrieben: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Serverstandort in Deutschland, DSGVO-konforme Datenverarbeitung, regelmäßige Sicherheitsaudits.

Achten Sie bei der Auswahl des Anbieters auf folgende Punkte:

  • Verschlüsselung: Die Datenübertragung muss per SSL/TLS verschlüsselt sein. Das erkennen Sie am Schloss-Symbol in der Browserzeile.
  • Serverstandort: Die Daten müssen auf Servern in Deutschland oder der EU gespeichert werden. Einige Anbieter nutzen US-Server, was datenschutzrechtlich problematisch sein kann.
  • Datensparsamkeit: Fragen Sie nur die Daten ab, die für die Terminbuchung unbedingt notwendig sind. Name, Telefonnummer und E-Mail-Adresse reichen in der Regel aus. Vermeiden Sie die Abfrage von sensiblen Gesundheitsdaten im Buchungsprozess.
  • Löschfristen: Nach welcher Zeit werden die Daten gelöscht? Ein guter Anbieter löscht die Daten automatisch nach 30 Tagen, wenn kein Termin zustande gekommen ist.

Ein Praxisbeispiel: Eine Gynäkologin in Frankfurt hatte Bedenken wegen des Datenschutzes und zögerte die Einführung einer Online-Buchung hinaus. Ich habe ihr dann einen Anbieter empfohlen, der alle KBV-Richtlinien erfüllt und ein DSGVO-Zertifikat vorweisen konnte. Nach der Einführung war sie begeistert: Die Patienten nahmen die Online-Buchung sehr gut an, und es gab keinerlei Datenschutzvorfälle.

Der Datenschutz ist also kein Hinderungsgrund, sondern eine Frage der richtigen Umsetzung. Mit einem seriösen Anbieter sind Sie auf der sicheren Seite.

Messbarkeit und Optimierung: Was Sie tracken sollten

Eine der größten Stärken der Online-Terminbuchung ist die Messbarkeit. Anders als beim Telefon können Sie genau nachvollziehen, wie viele Patienten buchen, woher sie kommen und wie der Buchungsprozess verläuft. Diese Daten sind Gold wert für Ihr Praxismarketing.

Welche Kennzahlen sollten Sie tracken?

  1. Buchungsrate: Wie viele Website-Besucher buchen tatsächlich einen Termin? Eine gute Buchungsrate liegt bei 5 bis 10 Prozent. Liegt sie darunter, stimmt etwas mit Ihrer Website oder dem Buchungsprozess nicht.

  2. Abbruchrate: An welcher Stelle brechen die Nutzer den Buchungsprozess ab? Das können Sie mit Tools wie Google Analytics oder Hotjar analysieren. Häufige Abbruchstellen sind lange Formulare oder fehlende Terminslots.

  3. Neupatienten-Anteil: Wie viele der Online-Bucher sind Neupatienten? Diese Zahl zeigt Ihnen, ob Ihre Online-Buchung tatsächlich neue Patienten anzieht.

  4. No-Show-Rate: Wie viele Patienten erscheinen nicht zum gebuchten Termin? Online gebuchte Termine haben oft eine niedrigere No-Show-Rate, weil die Patienten eine Bestätigungsmail erhalten und sich aktiv für den Termin entschieden haben.

  5. Herkunft der Buchungen: Über welche Kanäle kommen die Buchungen? Direkt über die Website, über Google-Suche, über Bewertungsportale? Das hilft Ihnen, Ihre Marketingmaßnahmen zu optimieren.

Ein konkretes Beispiel: Die Praxis Dr. Fischer in Nürnberg hat ihre Buchungsdaten analysiert und festgestellt, dass 40 Prozent der Online-Buchungen von Neupatienten kamen. Die meisten davon über die Google-Suche. Daraufhin hat die Praxis ihre Google-My-Business-Seite optimiert und mehr positive Bewertungen gesammelt. Innerhalb von drei Monaten stieg die Buchungsrate um weitere 25 Prozent.

Die regelmäßige Analyse und Optimierung ist der Schlüssel zum Erfolg. Einmal einrichten und laufen lassen reicht nicht. Testen Sie verschiedene Buchungsstrecken, variieren Sie die Formulare und passen Sie die Terminslots an die Nachfrage an. So holen Sie das Maximum aus Ihrer Online-Terminbuchung heraus.

Zukunftstrends: Wohin die Reise geht

Die Online-Terminbuchung ist nur der Anfang. Die nächste Stufe der Digitalisierung in Arztpraxen ist die intelligente Terminvergabe auf Basis von Künstlicher Intelligenz (KI). Erste Systeme sind bereits auf dem Markt und zeigen vielversprechende Ergebnisse.

Stellen Sie sich vor: Ein Patient bucht online einen Termin und gibt vorab seine Symptome an. Eine KI analysiert die Angaben und ordnet den Termin automatisch dem richtigen Arzt oder der richtigen Fachrichtung zu. Gleichzeitig wird die benötigte Zeit für den Termin berechnet - bei einer einfachen Untersuchung 10 Minuten, bei einer komplexen Beratung 30 Minuten. Das optimiert die Auslastung der Praxis und reduziert Wartezeiten.

Ein weiterer Trend ist die Integration von Videosprechstunden in die Online-Buchung. Der Patient kann direkt bei der Buchung auswählen, ob er persönlich kommen oder per Video zugeschaltet werden möchte. Das spart Zeit und ist besonders für Folgetermine oder Routineuntersuchungen geeignet.

Auch die Vernetzung mit anderen Gesundheitsdienstleistern wird zunehmen. Denkbar ist eine plattformübergreifende Buchung, bei der der Patient nach dem Arzttermin gleich den nächsten Termin beim Physiotherapeuten oder Radiologen buchen kann - alles aus einem System heraus.

Die KBV arbeitet bereits an einem einheitlichen Standard für die Online-Terminbuchung, der alle Praxen in Deutschland vernetzen soll. Das Projekt „Terminservice und Versorgungsnachweise“ (TSVN) ist zwar noch in der Testphase, zeigt aber die Richtung: Die Zukunft ist vernetzt, digital und patientenzentriert.

Wer jetzt in eine gute Online-Terminbuchung investiert, legt den Grundstein für diese Zukunft. Die Praxen, die heute die Weichen stellen, werden morgen die Gewinner sein. Die anderen werden den Anschluss verlieren - denn die Patienten haben die Wahl, und sie werden sich für die Praxis entscheiden, die ihnen den einfachsten und bequemsten Service bietet.