Das KBV-Praxisbarometer 2025 zeigt: Die Zufriedenheit mit digitalen Anwendungen in Arztpraxen steigt - doch nicht jede Neuerung ist ein Gewinn. Wir erklären, warum weniger manchmal mehr ist und wie Sie die richtigen Tools für Ihre Praxis auswählen.
Bevor du startest
Die Digitalisierung in der Arztpraxis ist kein Selbstzweck. Sie soll entlasten, nicht belasten. Das klingt banal, wird aber im Praxisalltag oft vergessen. Viele Praxen haben in den letzten Jahren viel Geld und Zeit in digitale Anwendungen investiert - und manche bereuen es. Denn nicht jedes Tool, das am Markt beworben wird, hält, was es verspricht. Das KBV-Praxisbarometer Digitalisierung 2025 zeigt: Die Zufriedenheit mit den am häufigsten genutzten digitalen Anwendungen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen [2]. Das ist eine gute Nachricht. Aber es ist auch eine Warnung: Denn die Zufriedenheit steigt nur dort, wo die Anwendungen zuverlässig laufen und echten Mehrwert bieten. Wo das nicht der Fall ist, bleibt Frust. In diesem Artikel erfährst du, wie du die richtigen digitalen Werkzeuge für deine Praxis auswählst - und warum weniger manchmal mehr ist.
Schritt 1: Verstehe, was deine Praxis wirklich braucht
Bevor du ein neues digitales Tool einführst, solltest du dich fragen: Was ist das eigentliche Problem? Viele Praxen kaufen eine Software, weil sie glauben, sie müsse digital sein - nicht, weil sie einen konkreten Nutzen hat. Das führt zu Frust und Zeitverschwendung. Ein Beispiel: Eine Hausarztpraxis mit 1.000 Patienten pro Quartal braucht vielleicht ein gutes Terminmanagement, aber keine aufwendige Videosprechstunde. Eine Hautarztpraxis mit vielen älteren Patienten hingegen profitiert von der eAU, weil sie den Papierkram reduziert. Das KBV-Praxisbarometer zeigt: Die Zufriedenheit mit digitalen Anwendungen steigt, wenn sie in den Praxisablauf passen [2]. Das klingt trivial, wird aber oft ignoriert. Frage dich: Welche Aufgabe frisst am meisten Zeit? Wo gibt es die meisten Fehler? Wo sind Patienten unzufrieden? Dann suchst du nach einer digitalen Lösung für genau dieses Problem - nicht nach der Lösung für alle Probleme.
Schritt 2: Setze auf Anwendungen, die wirklich funktionieren
Das Praxisbarometer 2025 zeigt: Die Zufriedenheit mit dem eRezept ist von 63 Prozent (2024) auf 77 Prozent (2025) gestiegen [2]. Auch die eAU legte zu: von 69 auf 78 Prozent [2]. Das sind gute Werte. Aber sie bedeuten auch: Jeder vierte Nutzer ist unzufrieden. Woran liegt das? Oft an technischen Problemen, an der mangelnden Integration in das Praxisverwaltungssystem oder an der fehlenden Schulung des Personals. Ein Beispiel: Eine Praxis führt das eRezept ein, schult aber nur den Arzt - nicht die Arzthelferinnen. Die Folge: Die Helferinnen können keine Rezepte ausstellen, der Arzt muss ran, und der Zeitgewinn ist dahin. Die KBV betont, dass der Aufwand für die Fehlerbehebung sich auszahlt [2]. Aber der Aufwand muss auch gemacht werden. Setze auf Anwendungen, die einen hohen Nutzen haben und von der Mehrheit der Praxen als zuverlässig bewertet werden - wie das eRezept oder die eAU. Und investiere in die Schulung des gesamten Teams.
Schritt 3: Vermeide den Fehler, alles auf einmal zu machen
Eine der größten Fallen bei der Digitalisierung ist der Ehrgeiz, alles gleichzeitig einzuführen. Das führt zu Überforderung beim Personal, zu technischen Pannen und zu Frust bei den Patienten. Das KBV-Praxisbarometer zeigt: Die Zufriedenheit mit digitalen Anwendungen steigt nur dann, wenn die Praxen sie in ihren Alltag integrieren können [2]. Das braucht Zeit. Ein Beispiel: Eine Praxis führt im selben Quartal das eRezept, die eAU und die ePA ein. Das Personal ist überfordert, die Fehlerquote steigt, und am Ende wird alles wieder abgeschafft. Besser: Führe eine Anwendung nach der anderen ein. Gib jedem Tool drei Monate Zeit, um sich zu etablieren. Dann evaluiere: Läuft es stabil? Sind die Mitarbeiter zufrieden? Erst dann kommt das nächste Tool. Das klingt langsam, ist aber am Ende schneller - weil du keine Rückschritte machst.
Schritt 4: Nutze die digitale Kommunikation mit anderen Praxen
Das Praxisbarometer 2025 zeigt: Fast ein Viertel aller Praxen (23 Prozent) gab an, komplett oder mehrheitlich digital mit anderen Praxen zu kommunizieren [5]. Das ist ein großer Fortschritt. Aber es gibt auch ein Problem: Nur zwölf Prozent der Praxen kommunizieren überwiegend digital mit Krankenhäusern [3]. Das liegt nicht an den Praxen, sondern an den Kliniken, die oft noch im Papierzeitalter verhaftet sind [3]. Die KBV kritisiert, dass niedergelassene Ärzte immer noch zum Fax greifen müssen, um mit Kliniken zu kommunizieren [3]. Wenn du also eine Praxis leitest, die viel mit Kliniken zusammenarbeitet, solltest du dich nicht auf die digitale Kommunikation mit ihnen verlassen. Aber: Nutze die digitalen Kanäle mit anderen Praxen. Der elektronische Arztbrief wird von 87 Prozent der Praxen genutzt [2]. Das ist ein etablierter Standard, der Zeit spart und Fehler vermeidet. Wenn du also einen Patienten überweist, sende den Arztbrief digital - das ist schneller und sicherer als Papier.
Schritt 5: Binde dein Personal ein
Die Digitalisierung scheitert oft nicht an der Technik, sondern an den Menschen. Das KBV-Praxisbarometer zeigt: Die Zufriedenheit mit digitalen Anwendungen steigt, wenn die Praxen viel tun, um sie in ihre Abläufe zu integrieren [2]. Das bedeutet: Schulung, Schulung, Schulung. Ein Beispiel: Eine Praxis führt die eAU ein, aber die Arzthelferinnen wissen nicht, wie sie die Bescheinigung ausstellen sollen. Die Folge: Der Arzt muss es machen, und der Zeitgewinn ist dahin. Besser: Binde das Personal von Anfang an ein. Frage: Welche Anwendung würdet ihr euch wünschen? Welche Probleme habt ihr im Alltag? Dann sucht gemeinsam nach einer Lösung. Und wenn die Software eingeführt ist, investiere in regelmäßige Schulungen - nicht nur einmal, sondern immer dann, wenn es Updates gibt. Das kostet Zeit, spart aber am Ende mehr Zeit, weil die Fehlerquote sinkt.
Schritt 6: Lass dich nicht von Hypes blenden
Die Digitalisierung ist ein Modewort. Viele Anbieter versprechen die Lösung aller Probleme - aber die Realität sieht oft anders aus. Das KBV-Praxisbarometer zeigt: Die Zufriedenheit mit digitalen Anwendungen steigt nur dann, wenn sie zuverlässig laufen [2]. Und das ist nicht bei jeder Anwendung der Fall. Ein Beispiel: Die elektronische Patientenakte (ePA) wird von vielen Praxen noch skeptisch gesehen. Warum? Weil sie technisch noch nicht ausgereift ist und weil der Nutzen für den Praxisalltag oft unklar ist. Die KBV betont, dass der Aufwand für die Fehlerbehebung sich auszahlt [2] - aber das gilt nur für Anwendungen, die einen echten Mehrwert bieten. Lass dich nicht von Hypes blenden. Frage immer: Was bringt mir diese Anwendung konkret? Spart sie Zeit? Reduziert sie Fehler? Macht sie die Patienten zufriedener? Wenn die Antwort auf keine dieser Fragen klar ist, lass es sein.
Schritt 7: Denke an die Patienten
Die Digitalisierung soll nicht nur der Praxis nutzen, sondern auch den Patienten. Das KBV-Praxisbarometer zeigt: Mehr als die Hälfte der Praxen kommuniziert bereits überwiegend digital mit Patientinnen und Patienten [6]. Das ist ein großer Fortschritt. Aber es gibt auch eine Schattenseite: Nicht alle Patienten sind digital affin. Ältere Patienten, Menschen mit Behinderungen oder Menschen ohne Internetzugang können von der Digitalisierung ausgeschlossen werden. Ein Beispiel: Eine Praxis stellt auf reine Online-Terminvergabe um - und verliert dadurch ältere Patienten, die nicht online buchen können. Besser: Biete digitale und analoge Kanäle parallel an. Ja, das ist aufwendiger. Aber es ist auch fairer. Und es verhindert, dass du Patienten verlierst. Die KBV betont, dass die Zufriedenheit mit digitalen Anwendungen steigt, wenn sie in den Praxisablauf passen [2]. Aber der Praxisablauf muss auch die Patienten einschließen - alle Patienten.
Schritt 8: Nutze die Daten, die du hast
Viele Praxen erheben jede Menge Daten - aber sie nutzen sie nicht. Das KBV-Praxisbarometer zeigt: Die Zufriedenheit mit digitalen Anwendungen steigt, wenn sie in den Praxisablauf integriert sind [2]. Aber das gilt auch für die Auswertung der Daten. Ein Beispiel: Deine Praxis hat eine Software für das Terminmanagement. Sie zeigt dir, dass viele Patienten ihre Termine nicht wahrnehmen. Du könntest jetzt ein Erinnerungssystem einführen - per SMS oder E-Mail. Das würde die Zahl der Nichterscheinen reduzieren und dir Zeit sparen. Aber viele Praxen tun das nicht, weil sie die Daten nicht auswerten. Nutze die Daten, die du hast. Frage: Welche Muster gibt es? Wo gibt es Engpässe? Wo gibt es Verschwendung? Dann leite Maßnahmen ab. Das ist keine Raketenwissenschaft - es ist einfach nur gutes Management.
Schritt 9: Sei geduldig
Die Digitalisierung ist ein Marathon, kein Sprint. Das KBV-Praxisbarometer zeigt: Die Zufriedenheit mit digitalen Anwendungen steigt langsam, aber stetig [2]. Das liegt daran, dass die Praxen viel tun, um sie zu integrieren [2]. Aber das braucht Zeit. Ein Beispiel: Der elektronische Arztbrief wurde 2018 von nur 13 Prozent der Praxen genutzt [2]. Heute sind es 87 Prozent [2]. Das ist ein riesiger Fortschritt - aber er hat sieben Jahre gedauert. Sei also geduldig. Führe nicht alle Tools auf einmal ein. Gib jedem Tool Zeit, sich zu etablieren. Und sei nicht zu streng mit dir selbst, wenn etwas nicht auf Anhieb klappt. Die Digitalisierung ist ein Lernprozess - für dich, für dein Personal und für deine Patienten.
Häufige Fehler
Einer der häufigsten Fehler ist der Glaube, dass Digitalisierung automatisch Zeit spart. Das tut sie nicht - zumindest nicht am Anfang. Die Einführung eines neuen Tools kostet Zeit, und zwar viel Zeit. Erst wenn es etabliert ist, spart es Zeit. Ein weiterer Fehler ist die mangelnde Schulung des Personals. Viele Praxen kaufen eine Software, geben dem Personal eine kurze Einweisung und wundern sich dann, dass es nicht funktioniert. Das KBV-Praxisbarometer zeigt: Die Zufriedenheit mit digitalen Anwendungen steigt nur dann, wenn die Praxen viel tun, um sie zu integrieren [2]. Und das bedeutet: Schulung, Schulung, Schulung. Ein dritter Fehler ist die Vernachlässigung der Patienten. Nicht alle Patienten sind digital affin. Wenn du nur noch digitale Kanäle anbietest, schließt du einen Teil deiner Patienten aus. Biete immer auch analoge Alternativen an.
Nächste Schritte
Wenn du die Digitalisierung in deiner Praxis vorantreiben willst, beginne mit einer Bestandsaufnahme. Frage dich: Welche digitalen Anwendungen nutzen wir bereits? Sind wir zufrieden damit? Wo gibt es Probleme? Dann setze Prioritäten. Welche Anwendung würdest du als nächstes einführen? Welche würdest du abschaffen? Hole dein Personal mit ins Boot. Frage: Was wünscht ihr euch? Was läuft gut? Was läuft schlecht? Und dann: Starte klein. Führe eine Anwendung nach der anderen ein. Gib jedem Tool drei Monate Zeit. Und evaluiere regelmäßig. Das KBV-Praxisbarometer 2025 zeigt: Die Praxen, die sich engagieren, sind am Ende zufriedener [2]. Also: Engagiere dich - aber mit Bedacht.